Wetzlarer Mannschaft und Fans lassen „das Dach wegfliegen“!
Nach drei Auswärtssiegen in Folge war es am Montagabend für die HSG Wetzlar an der Zeit, den zweiten Heimsieg der Saison einzufahren. Und das Unterfangen gelang. Die Mittelhessen sichertes sich mit dem 33:31-Erfolg gegen den VfL Gummersbach die Punkte zehn und elf und klettert somit auf den zwölften Tabellenplatz in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga.
Damit sind die Grün-Weißen zwar noch einiges davon entfernt, sich deutlich von den Abstiegsrängen abzusetzen, aber dieser Heimsieg und vor allem auch die Art, wie dieser eingefahren wurde, untermauert, dass die Domstädter ihre gute Entwicklung fortsetzen.
Wetzlar zündete im Duell mit dem zwölffachen Deutschen Meister aus dem Oberbergischen ein wahres Feuerwerk und die Mannschaft nahm die Buderus Arena emotional mit, wie lange nicht mehr. Bereits in der letzten Minute der ersten Halbzeit riss es die Zuschauer von ihren Sitzen. Von den letzten drei Spielminuten in Halbzeit zwei ganz zu schweigen. Es war ein Höllenlärm, in dem der Schlusspfiff der Schiedsrichter zum leisen Piepen eines altersschwachen Vogels verkam.
Vor der Partie stand Wetzlars Nationaltorhüter Till Klimpke bei Sportsender Dyn Rede und Antwort. Dass er an diesem Tag, im Alter von gerade einmal 25 Jahren, bereits sein 200. Bundesliga-Spiel bestreiten würde, wusste er nicht. Dafür aber, wie man Gummersbach bezwingen könne: „Wir müssen die erste und zweite Welle gut verteidigen, weil Gummersbach seine Spiele über das Tempo gewinnt. Daraus ziehen sie viele Abschlüsse. Deshalb müssen wir geduldig spielen und unsere Chancen nutzen. So nehmen wir dem VfL seine Stärken.“
Und das sollte den Hausherren dann über einen Großteil der Spielzeit auch gelingen, ganz zur Freude der vielen anwesenden Vereinsmannschaften, die die Möglichkeit genutzt hatten, sich vergünstigte Tickets zur Montagspremiere zu sichern. Unter allen anwesenden Teams wurde vor dem Spiel eine Trainingseinheit mit zwei HSG-Profis verlost. Gewonnen hatte der SV Stockhausen, der sich nunmehr auf grün-weißen Besuch, Tipps, Autogramme und Fotos freuen darf.
17:13 führte Wetzlar nach einer konzentrierten und disziplinierten Leistung zur Pause. Kurz vor dem Wiederanpfiff stellte sich Lenny Rubin, der mit insgesamt acht Treffern ein starkes Spiel machte, den Fragen von DYN. „Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt“, so der Schweizer. „Wir hatten ein paar Tage Zeit uns intensiv auf Gummersbach vorzubereiten und haben es bislang geschafft, ihnen im Angriff viel wegzunehmen. Auf der anderen Seite spielen wir unsere Sachen auf den Punkt. Das ist gut. Wir bleiben jetzt weiter dran und vergessen einfach für den Moment, dass wir zuhause noch nicht so viele Punkte geholt haben, wie wir eigentlich hätten holen sollen. Heute ist die nächste Chance, jetzt müssen wir eine gute zweite Halbzeit spielen und dann bin ich überzeugt, dass wir hier heute gewinnen werden.“ Rubin sollte Recht behalten und war letztlich maßgeblich am Sieg beteiligt.
Nicht nur in der Arena auch in den Social-Media-Kanälen der Grün-Weißen herrschte nach dem Spiel Jubel und Erleichterung, ob des Auftritts und des Überraschungserfolgs. „Endlich wieder ein Heimsieg“, lautete die Kernaussage. Über 3.700 Zuschauer waren gekommen, um ihre Mannschaft zu unterstützen und wurden nicht enttäuscht. Man muss weit zurückblättern, um in der Zuschauerstatistik ähnlich hohe Besucherzahlen zu finden, wie am Montagabend. Ein Trend, der sich fortsetzen sollte, denn in den kommenden Heimspielen warten die Füchse Berlin und die MT Melsungen im Hessenderby.
„Es ist beeindruckend, was hier zwischen Team und Fans für eine Verbindung entstehen kann, dann fliegt hier das Dach weg“, war HSG-Trainer Frank Carstens im Interview bei Dyn begeistert. „Ich denke, wir haben verdient gewonnen, weil wir ein Stück mehr Emotionalität reingepackt haben. In der Bundesliga kann immer alles passieren. Das Ding heute war schon sehr wichtig.“
„Das war einfach Wahnsinn“, strahlte auch HSG-Keeper Anadin Suljakovic, der mit zahlreichen Paraden am Ende den Wetzlarer Heimsieg sicherstellte. „Ich habe von Anfang an diesen Willen unserer Mannschaft gesehen, dass wir heute diese zwei Punkte hierbehalten wollten. Wir haben gezeigt, dass wir als Mannschaft zusammenhalten. Das freut mich sehr, denn wir haben viel gearbeitet für diesen Erfolg heute. Danke schön an alle, die daran beteiligt waren.“
In der Pressekonferenz legte Carstens nach: „Wir haben ein enges Spiel gesehen mit einer sehr guten Deckungsleistung in der ersten Halbzeit. Wir hatten das nötige Glück bei den Abprallern, weil wir diesen Ball mehr haben wollten. In der zweiten Halbzeit wurde es schwer. Gummersbach hat besser gespielt und verteidigt, dementsprechend haben wir mehr Fehlwürfe. Letztlich ist es wieder die Abwehr- und Torwartleistung, die das Feuer bei der Mannschaft und den Fans entfacht hat. Ich möchte mich heute bei den Zuschauern bedanken für die fantastische Unterstützung über 60 Minuten. Es war für mich als Wetzlar Trainer eine Premiere, diese Intensität von den Rängen spüren zu dürfen. Das war großartig und ich freue mich auf eine Wiederholung.“









