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„Bin überzeugt, dass wir alles in der eigenen Hand haben“

Michael Allendorf über seinen ersten Monat als Geschäftsführer Sport der HSG Wetzlar und den Abstiegskampf in der Handball-Bundesliga.

 

Bild: Jan Günther

In einer sportlich herausfordernden Phase hat Michael Allendorf vor etwas mehr als einem Monat die Verantwortung als Geschäftsführer Sport bei der HSG Wetzlar übernommen. Es geht in den ersten Monaten seiner Amtszeit gleich um viel: um den Klassenerhalt in der Handball-Bundesliga, um eine Weiterentwicklung des mittelhessischen Traditionsklubs und um strategisch kluge Entscheidungen. Der frühere Nationalspieler, der von 2006 bis 2010 selbst das grün-weiße Trikot getragen hat, hat sich schnell ein Bild verschafft, zahlreiche Gespräche geführt und erste Dinge auf den Weg gebracht. Im Interview spricht der 39-Jährige über seine ersten Wochen im Amt, die Entwicklung der Mannschaft und den Druck im Abstiegskampf.

Michael, Du bist jetzt seit gut einem Monat als Geschäftsführer Sport im Amt. Wie hast Du die ersten Wochen persönlich erlebt?
Michael Allendorf: Ich bin sehr offen und herzlich empfangen worden. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Trotz der sportlich prekären Situation herrscht eine sehr gute Arbeitsatmosphäre. Ich fühle mich sehr wohl.

Was waren Deine Schwerpunkte im ersten Monat?
Michael Allendorf: Vordringlich ging es natürlich darum, erst einmal alle kennenzulernen. Ich kannte die Spieler als Handballer, aber noch nicht als Menschen. Deshalb habe ich mit allen Einzelgespräche geführt, um herauszufinden, was sie beschäftigt. Gleichzeitig ging es darum, einen Eindruck von der Gesamtsituation zu gewinnen. Parallel arbeiten wir bereits an der Mannschaft für die kommende Saison. Diese Planung verläuft zweigleisig – also für die 1. und 2. Liga. Das waren die kurzfristigen Themen, die in meinem ersten Monat im Vordergrund standen. Da mein Engagement langfristig angelegt ist, geht es aber nach und nach auch darum, wichtige Strukturen für die Zukunft zu schaffen. Deshalb habe ich in den vergangenen Wochen den Austausch mit Andreas Klimpke, dem Sportlichen Leiter unserer U23, sowie mit Timm Schneider, dem Geschäftsführer unseres Kooperationspartners TV Hüttenberg, gesucht. Auch das waren sehr gute Gespräche.

Wie nimmst Du die HSG Wetzlar aktuell als Gesamtverein wahr – sportlich, aber auch im Umfeld und in der täglichen Arbeit?
Michael Allendorf: Ich nehme die HSG so wahr, wie ich es auch als Spieler erlebt habe. Alle, die hier Verantwortung tragen oder dem Klub nahestehen, sind mit viel Leidenschaft dabei. Wir sind ein gut organisierter, etablierter Erstligist, der hoffentlich noch lange in der 1. Liga spielen wird. Ich kann auch nur den Hut vor unseren Fans ziehen. Sie haben aktuell keine leichte Zeit mit uns, haben das Team aber in Minden großartig unterstützt. Sie waren Mutmacher vor dem Spiel und eine echte Hilfe während der 60 Minuten. Das war beeindruckend – ebenso wie die Atmosphäre bei den beiden Heimspielen, die ich mitgemacht habe. Das sind wichtige Grundlagen für den Saisonendspurt.

Wenn Du die fünf Spiele unter deiner Verantwortung betrachtest: Wie fällt Dein erstes sportliches Fazit aus?
Michael Allendorf: In den ersten Tagen habe ich im Team eine gewisse Unruhe wahrgenommen. Das war sicherlich auch eine Folge der deutlichen Niederlage im Heimspiel gegen Berlin. Ich hatte zudem das Gefühl, dass noch nicht jeder die Situation vollständig verinnerlicht hatte. Das ist jetzt anders. Von Trainingswoche zu Trainingswoche macht die Mannschaft Schritte in die richtige Richtung. Das zeigen auch die Spiele – mit Ausnahme der Partie zu Hause gegen Melsungen. Umso wichtiger war es, dass sich die Mannschaft für den grundsätzlichen Aufwärtstrend in Minden mit einem Sieg belohnt hat.

Du sprichst den Sieg in Minden an. Was hat die Mannschaft dort aus Deiner Sicht besser gemacht als in den Spielen zuvor?
Michael Allendorf: Auffällig war vor allem die hohe Effektivität im Abschluss in der zweiten Halbzeit. Das war übrigens auch gegen Melsungen schon der Fall, in den Spielen davor aber unser großes Manko. Grundsätzlich finde ich es sehr positiv, dass die Mannschaft nicht aufgibt. Der Druck in Minden war enorm. Wenn du Ende der ersten Halbzeit mit fünf Treffern zurückliegst, ist es nicht selbstverständlich, so zurückzukommen. Das zeigt, dass das Team lebt. Wir haben eine starke zweite Halbzeit gespielt – nicht nur im Angriff. Auch unser Innenblock war stabil, das Torwart-Duo hat gut funktioniert. Anadin Suljakovic war sofort da, als er ins Spiel kam, und hat spät einen wichtigen Siebenmeter gehalten. Andreas Palicka hatte zwar nur eine Parade, aber die war entscheidend. Das sind viele kleine Mosaiksteine, die in diesem Spiel zusammengepasst haben.

Bei noch neun ausstehenden Spielen haben wir zwei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Wie bewertest Du die Ausgangslage?
Michael Allendorf: Es hat sich in diesem Monat nicht viel verändert. Die Aufgabe war und ist schwierig. Ich bin aber überzeugt davon, dass wir alles in der eigenen Hand haben. Wenn wir so weiterarbeiten, an den Themen beharrlich dranbleiben und uns nicht auseinanderdividieren lassen, werden wir die nötigen Punkte holen.

Was gibt Dir die Zuversicht, dass die Mannschaft den Klassenerhalt schaffen wird?
Michael Allendorf: Vor allem die Entwicklung der Mannschaft. Über Dinge zu sprechen ist das eine, sie auch konsequent anzugehen das andere. Das haben die Spieler verstanden. Die Bereitschaft, den Klassenerhalt zu schaffen, ist bei jedem vorhanden. Das ist eine Grundvoraussetzung.

Wo siehst Du aktuell die größten Stellschrauben? Eher im mentalen Bereich oder in taktisch-spielerischen Details?
Michael Allendorf: Aktuell geht es in erster Linie darum, über Kampf und Einsatz Erfolgserlebnisse zu erzielen, um eine positive Dynamik zu entwickeln. Mit Erfolgen kehrt das Selbstvertrauen zurück – und damit wird es auch leichter, Spiele zu gewinnen. Unsere schwache Wurfquote in vielen Spielen hing meines Erachtens eng mit fehlendem Selbstvertrauen zusammen.

Wie nimmst Du die Mannschaft im Alltag wahr? Spürst Du den Druck, der auf ihr lastet?
Michael Allendorf: Der Druck ist da, und es macht keinen Sinn, das zu leugnen. Ich habe aber das Gefühl, dass die Spieler mittlerweile gut damit umgehen. Zumal jeder Erfolg in den sogenannten Muss-Spielen das Selbstverständnis stärkt. Allen ist bewusst, dass jedes Spiel entscheidend ist und der Druck bis zum Saisonende hoch bleiben wird.

Wie läuft die zweigleisige Planung für die kommende Saison? Wie verlaufen die Gespräche?
Michael Allendorf: Der volle Fokus liegt auf dem Klassenerhalt. Alle weiteren Planungen laufen im Hintergrund, weil das natürlich unsere professionelle Pflicht ist. Wenn es Entscheidungen zu verkünden gibt, werden wir das tun.

Nächstes Spiel

26.04.2026 - 15:00 Uhr
Buderus Arena Wetzlar

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