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Geburtstagsinterview mit Jasmin Camdzic: „War ein Riesenglück, nach Deutschland gekommen zu sein!“

Jasmin Camdzic, Co- und Torwarttrainer sowie Scouting-Verantwortlicher des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, feiert heute seinen 50. Geburtstag. Grund genug mit dem gebürtigen Bosnier zu sprechen. Im 1. Teil des langen Geburtstagsinterviews spricht der renommierte und weltweit anerkannte Torwarttrainer über den schönsten Moment im Leben, seine aktuelle Situation und die Wünsche zum runden Geburtstag.

Foto: Florian Gümbel

Im Namen der HSG Wetzlar und aller Fans und Sponsoren wünschen wir Dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag, lieber Jasko! Viel Glück, Erfolg und Gesundheit für Dein neues Lebensjahr.

Das ist lieb. Vielen Dank!

Wie geht’s Dir? Was machst Du gerade?

Mir geht es soweit gut, meine Familie und ich sind gesund. Seit zwei Wochen bin ich in Bosnien, in meinem Ferienhaus und bleibe noch auch noch einige Zeit hier.  Ich musste einfach wegfahren. Seit die Handball-Bundesliga Mitte März unterbrochen wurde und die HSG Wetzlar nachvollziehbarer Weise Kurzarbeit anmelden musste, saß ich in Deutschland und konnte relativ wenig machen. Ich verbringe hier in Bosnien viel Zeit mit meinen Verwandten und Tieren im Garten. Ich kümmere mich um das Haus, bin handwerklich unterwegs. Die Zeit ohne Handball ist für mich aber trotzdem sehr schwer. Ich schaue mir viele Spiele von der vergangenen Saison an und bin in verschiedenen sportlichen Videokonferenzen europaweit aktiv. Außerdem telefoniere ich natürlich oft mit Björn Seipp, meinen Trainerkollegen, den Spielern und Spielervermittlern. Ich möchte einfach bereit sein, wenn es nach Corona wieder losgeht. Ich hoffe, dass wir alle diese lange Handballpause nur einmal im Leben haben werden.

Wie hättest Du Dir Deinen 50. Geburtstag eigentlich vorgestellt?

Natürlich ganz anders. Wegen Corona hat sich mein Leben komplett verändert. Eigentlich wollte ich für einige Freunde eine kleine Party organisieren, auch in Wetzlar und Gelnhausen feiern, wo ich 13 Jahre gespielt habe. Jetzt verbringe ich meinen Geburtstag in meinem Ferienhaus in Bosnien und meine Frau hat mir einen Kuchen gebacken. Ob ich die Feiern nachholen kann, weiß ich noch nicht. Kommt darauf an, welcher Spielplan auf uns zu kommt und wie die Spiele dann terminlich getaktet sind.

Was wünscht Du Dir für die nächsten 50 Jahre?

Das allerwichtigste ist Gesundheit für die Familie. Meine Handballfamilie ist mir auch sehr wichtig, wenn wir alle gesund sind, können wir Vieles schaffen.

Was war der schönste Moment in deinem Leben?

Das war am 6. September 1991. Mit sehr, sehr großem Abstand war die Geburt meiner Tochter Jasmina der schönste Tag meines Lebens, da muss ich nicht lange überlegen.

 Wann kamst Du damals nach Deutschland?

Das war im Jahr 1998, eigentlich ganz zufällig. Ich habe in der Bundesliga in Slowenien im Tor gespielt. Mein damaliger Trainer wollte mich nach Deutschland bringen und ich bin in Hüttenberg gelandet, also ganz in der Nähe von Wetzlar. Ich habe bis dahin immer in großen Städten gespielt und dann kam ich nach Mittelhessen. Das war natürlich zunächst mal eine sehr große Umstellung für mich. Die Leute waren aber super nett und sportlich war auch alles gut. Sportlich gab es wenig Unterschiede, denn Handball ist und bleibt immer Handball. Ich hatte auch gar nicht viel Zeit über Unterschiede nachzudenken, in der stärksten Liga der Welt musste ich sofort Leistung bringen. Mit der Zeit gewöhnt man sich dann auch an ein neues Land. Meine Tochter kam dann direkt hier in die Schule. Nach einem Jahr in Hüttenberg bin ich zum TV Gelnhausen gewechselt und habe dort 13 Jahre gespielt. Mittlerweile arbeite ich schon neun Jahre für die HSG Wetzlar. Im Nachhinein war es ein Riesenglück nach Deutschland gekommen zu sein.

Was war Dein sportliches Highlight in deiner Karriere?

Jeder Spieler hat den Traum in der Nationalmannschaft zu spielen und das durfte ich auch erleben. Ich hatte die Gelegenheit für mein Land zu spielen und die Hymne zu hören. Leider haben wir uns nie für ein großes Turnier qualifiziert. Das war wirklich ein emotionales Highlight, das kann man mit dem Verein nicht vergleichen.

Auch als Trainer hast Du später für die Nationalmannschaft gearbeitet. Kannst Du Dir vorstellen, das nochmal zu machen?

Ich habe zwei Jahre dort im Trainerteam gearbeitet. Man muss es realistisch sehen, dass ich bei der HSG Wetzlar viele Aufgaben habe. Gegenüber Wetzlar und gegenüber mir selbst wäre diese zusätzliche Belastung unverantwortlich. Ich möchte nicht, dass ich mich oder meinen Arbeitgeber durch zusätzliche Aufgaben belaste. Vielleicht gibt es irgendwann nochmal die Chance. Ich möchte immer 100% geben und das geht momentan nicht.

Thema Belastung! Wie regenerieren eigentlich Trainer? Was machst Du in Deiner Freizeit? 

Die Frage ist schwer zu beantworten, weil ich durch Training, Videostudium, Scouting und Gespräche nicht oft freie Zeit habe. Ich nutze jede freie Gelegenheit, wenn schönes Wetter ist und gehe mit meiner Frau wandern. Wenn meine Frau arbeiten muss, dann fahre ich gerne Fahrrad. Das macht mir riesen Spaß und dann fahre ich auch lange Strecken in der Natur.

Den 2. Teil des Geburtstagsinterviews mit Jasmin Camdzic könnt Ihr in den kommenden Tagen lesen, dann verrät uns der Jubilar ein paar seiner Geheimnisse als Torwarttrainer und wer für ihn die besten Keeper der Geschichte waren.

Nächstes Spiel

30.08.2026 - 16:30 Uhr
Buderus Arena Wetzlar

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