Im Rückraum klappt‘s schon gut
Nach getaner Arbeit am Samstagnachmittag rückte Jasmin Camdzic in den Mittelpunkt. Der Sportliche Leiter des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar tauchte plötzlich mit mehreren Schachteln Pizza in der Sporthalle Dutenhofen auf. Ob die Mahlzeit für die Grün-Weißen oder Testspielgegner HSC Coburg gedacht war, ließ sich nicht mehr klären. Fakt aber ist: Verdient hätten das Essen beide Mannschaften gehabt.
Da hätten wir die Lahnstädter, die sich nach der Niederlage vom Mittwoch gegen Dessau dieses Mal von ihrer besten Seite präsentierten. Und da hätten wir auf der anderen Seite die Oberfranken, die nach einem schwachen Start im zweiten Durchgang noch Moral zeigten. Dennoch war der 33:27 (19:14)-Testspielerfolg der HSG Wetzlar, der im Re-Live auf mittelhessen.de im Stream zu sehen ist, hochverdient, wie die Analyse dieser Redaktion zeigt.
Was lief gut?
Von Beginn an war der Truppe von Trainer Momir Ilic anzumerken, dass sie nach der Dessau-Partie auf Wiedergutmachung aus ist. Trotz anstrengenden Trainingstagen zeigte sich die HSG überraschend frisch und es schien, als wollen Dominik Mappes und Co. den Gegner überrennen. Nach sieben Minuten, Neuzugang Ahemd Nafea hatte getroffen, hieß es bereits 6:3.
Auch wenn es nur ein Testspiel war: Die HSG sprühte nur so vor Spielfreude. Mappes leitete als Taktgeber fast schon gewohnt die gefährlichen Situationen ein, doch seine Nebenmänner im Rückraum, Philipp Ahouansou und Niklas Theiß, kombinierten zusammen mit dem Mittemann, als hätten sie nie etwas anders gemacht. Das Timing bei den Kreuzbewegungen saß, Coburg um den gebürtigen Hüttenberger Matteo Menges (zwei Tore) hatte kaum Zeit, sich darauf einzustellen. Bezeichnenderweise waren Ahouansou (8) und Theiß (7) auch die besten Torschützen der Partie.
Im Tor zeigte Bart Ravensbergen, der nach knapp 25 Minuten zum Einsatz kam, dass er ein Guter zwischen den Pfosten ist. Der Neuzugang von Frisch Auf Göppingen gefiel mit feinem Stellungsspiel und war selbst als zweifacher Torschütze erfolgreich, als der Gegner den Torwart aus dem Spiel genommen hatte. Auch das Tempospiel der Wetzlarer war ein ganz anderes als zuvor gegen Dessau. Dass am Ende die Kräfte ein wenig nachließen, war angesichts des Pensums zu verschmerzen.
Letzter positiver Punkt: Sowohl Ahemd Nafea und Lion Zacharias auf Linksaußen als auch Tizian Weimer, der auf dem rechten Flügel durch den Ausfall von David Cyrill Akakpo (Finger) auf sich alleine gestellt war, wussten zu überzeugen.
Das geht noch besser
Ja, die Grün-Weißen müssen sich in der Defensive noch finden. Zumal Neuzugang Nikola Grahovac, der als Abwehrchef gesetzt sein soll, aus privaten Gründen fehlte. Dennoch war es auffällig, dass die Ilic-Schützlinge zu viele Gegentore vom Kreis zuließen. Im Mittelblock schenkte der Trainer zunächst Georg Löwen und Neuzugang Josip Simic das Vertrauen. Nachdem Letztgenannter nach seiner dritten Zeitstrafe aus der Partie war, versuchte es Geburtstagskind Jona Schoch an der Seite von Löwen. Für alle gilt: Sie haben im Zusammenspiel noch reichlich Luft nach oben.
Was auffiel: Stefan Cavor hatte im rechten Rückraum kaum Bindung zum Spiel und wurde in der Schlussphase, als der HSC noch einmal bis auf 21:25 herangekommen war, wieder durch Theiß ersetzt. Ein deutliches Ausrufezeichen von Momir Ilic. Auch Schoch stand deutlich im Schatten von Ahouansou. Sollte dieser mal nicht funktionieren, könnte es aber im linken Rückraum eng werden. Es bleibt spannend, wie Neuzugang Filip Vistorop (Eisenach), der noch verletzt fehlte, performt. Denn auf dieser Position braucht die HSG zwei starke Spieler. Mindestens.
Das sagt der Trainer
„Ich bin zufrieden. Auch wenn wir gegen Dessau zuvor viel trainiert haben und ich daher die Niederlage einordnen kann, war das heute die richtige Antwort. Wir haben von Minute 10 bis 30 und in der Schlussphase gut gedeckt. Wir brauchen weiterhin Geduld, haben aber eine Strategie“, sagt Momir Ilic. Angesprochen auf seinen Rückraum um Mappes, Theiß und Ahouansou sagte er: „Das sah schon gut aus, aber wir können noch mehr taktische Disziplin zeigen. Das wird die Aufgabe in den nächsten Wochen.“
Spielstände
Erste Halbzeit: 3:1 (3.), 10:6 (15.), 11:9 (17.), 16:11 23.), 19:14; Zweite Halbzeit: 24:16 (38.), 25:21 (48.), 30:23 (53.), 33:27.
Aufstellung
Wetzlar: Suljakovic (bis 25.), Ravensbergen (2) und Pantel (n.e.): Zaum (n.e.), Mappes (2), Theiß (7), Simic (3), Ahouansou (8), Schoch, Weimer (4), Müller (1), Löwen (1), Zacharias (2), Cavor (1), Nafea (2).
Bericht von Tim Straßheim










