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In einem aufreibenden Spiel Moral gezeigt

HSG Wetzlar erkämpft sich im zweiten Heimspiel der Woche einen Punkt gegen den TVB Stuttgart und geht als Tabellenvorletzter in die Länderspielpause

Bild: Jenniver Roeczey

Im zweiten Heimspiel innerhalb von vier Tagen erkämpfte sich die HSG Wetzlar in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga ein 31:31 (14:17)-Unentschieden gegen den TVB Stuttgart. Damit bleiben die Grün-Weißen nach elf Spieltagen auf dem ersten Abstiegsplatz hängen. Fünf Mannschaften, darunter die HSG, haben 7:15 Punkte, zwei 8:14. Somit ist und bleibt nach den letzten Ergebnissen bis Rang elf, den der Bergische HC innehat, alles eng beisammen.

Selten waren die Voraussetzungen für einen Besuch in der Buderus Arena in letzter Zeit so perfekt. Schmuddelwetter, kaum Ligaspiele in den unteren Klassen, Ferien, Sonntagnachmittag 16:30 Uhr und ab 14 Uhr Oktoberfest light im Foyer. Trotzdem fanden nur 3115 Zuschauer den Weg zum wichtigen Duell um Punkte für den Klassenerhalt zwischen der HSG Wetzlar und dem TVB Stuttgart.

Sicher lädt das Spiel der HSG in letzter Zeit selten dazu ein, freudig beseelt in die Halle zu strömen. Die, die an diesem Sonntagnachmittag da waren, erlebten ein Auf und Ab an Emotionen. Mal zu Tode betrübt, mal himmelhochjauchzend. Am Ende blieben gemischte Gefühle. Froh über den einen Punkt. Trübsal, weil es nicht zu mehr gereicht hat.

Nach einer von Fehlern auf beiden Seiten geprägten Anfangsphase stellte Magnus Fredriksen den 4:4-Ausgleich her. Da hatte Emil Mellegard schon den ersten Gegenstoß versemmelt, Hendrik Wagner ein Stürmerfoul fabriziert und Nemanja Zellenovic bei einem schönen Wackler zu viele Schritte gemacht.

Mit der Hereinnahme von Lenny Rubin im Angriff, er hatte in den ersten Minuten Wagner in der Abwehr entlastet, klingelte es sofort im Stuttgarter Gehäuse. Mit einem fulminanten Schlagwurf von neun Meter läutete er sein ganz eigenes Torfestival ein. Mit Anlauf vom Anwurfpunkt, ab durch die Abwehr von sechs Metern oder vor lauter Verzweiflung aus dem Stand in den Sprung – Rubin hatte vor dem Spiel Zaubertrank getrunken, er traf aus allen Lagen.

Im Tor hatte Till Klimpke einen merkwürdigen Tag erwischt. Er konnte sich zwar mit vier Paraden auszeichnen, kassierte aber auch Bälle, die ihm unglücklich durch die Hände rutschten. Nachdem erneut ein Trudelball zum 10:7 von Stuttgarts Kreisläufer Lukas Laube den Weg ins Tor fand, kam Anadin Suljakovic. Die Wetzlarer Jungs taten sich schwer, die Anspiele an die Stuttgarter Kreisläufer zu verhindern. Aber auch aus dem Rückraum hatte der TVB viele Freiheiten.

Auf der anderen Seite tat sich die HSG schwer, den Abwehrriegel des TVB auszuspielen. Dazu kamen einige unglückliche Situationen. Fredriksen blieb bei zwei Aktionen in der Stuttgarter Abwehr hängen und knallt auf den Rücken. Die Schiedsrichter hatten allerdings keine strafbare Handlung gesehen. Paraden von Suljakovic wurden nicht mit Ballgewinnen belohnt, sondern Stuttgarter Toren, weil die Abpraller beim TVB landeten. Selbst eine Doppelparade von Suljakovic reichte nicht, um den Buzzer-Beater von Patrick Zieker zum 17:14 für den TVB zu verhindern.

In der zweiten Hälfte ein ähnliches Bild. Es war ein Abnutzungskampf, der den Spielern alles abverlangte. Nach Cavors 15:17 schlug das Pendel wieder in Richtung Stuttgart aus. Siebenmeter, ein abgefangener Ball, eine Parade von Silvio Heinevetter gegen Domen Novak und ein Block gegen Fredrikssen. Schon hatte der TVB auf 20:15 vorgelegt, die Halle erstarrte. Angetrieben vom überragenden Rubin kämpften sich die Wetzlarer Jungs durchs Spiel. Nach einer Parade von Suljakovic und Wagners Treffer zum 19:21 in der 40. Minute wurde die Halle endgültig wach.

Die ließ sich nicht abschütteln, trotzte den immerwährenden Führungen der Stuttgarter. Rubin schoss Heinevetter beim 23:25 mit ins Tor, Suljakovic knöpfte Kai Häfner einen Ball ab. Den folgenden Gegenstoß nutzte Becher zum 24:25. TVB-Coach Michael Schweikardt reagierte sofort mit einer Auszeit. Ab der 48. Minute dann die Möglichkeit für die HSG, in Überzahl den Ausgleich zu erzielen. Nach Rasmus Meyer Ejlersens 25:26, landete der Wurf von Nikita Pliuto jedoch nur am Pfosten und der TVB erhöhte auf 28:25.

Es blieb spannend uns eng, Stuttgart legte auf zwei vor, die Wetzlarer Jungs verkürzten. Novak markierte das 30:31 in der 58. Minute, Zeit für die Halle, sich zu erheben. Suljakovic entzauberte erneut Kai Häfner und ermöglichte der HSG die Chance zum Ausgleich. Die Halle tobte, doch die Wetzlarer Jungs mussten ruhig bleiben. 58 Sekunden vor Schluss netzte Becher zum 31:31 ein. Den anschließenden Angriff des TVB begleitete die Arena mit einem deftigen Pfeifkonzert, das in der letzten Parade von Suljakovic gegen Kai Häfner endete.

Nach Carstens Auszeit blieben seiner Mannschaft noch 19 Sekunden, um den zweiten Sieg der Saison einzufahren. Den letzten Wurf bereitete sei für den Mann vor, der bis dahin bei zwölf Treffern eine Makellose Wurfquote hatte – Lenny Rubin. Er nahm sich den Wurf, den Heinevetter mit einer seiner unnachahmlichen Bewegungen aus der linken unteren Ecke kratzte. Es blieb beim 31:31-Unentschieden.

„Das war ein sehr aufreibendes Spiel heute“, sagte TVB-Coach Schweikardt hinterher. „Ich glaube es war ein Spiel, was so die Liga momentan widerspiegelt. Für uns insgesamt natürlich schon eher ärgerlich, dass wir nicht gewinnen, wenn man fast das ganze Spiel führt. Wir haben in meinen Augen eine ordentliche Abwehr gespielt, schaffen es aber leider nicht, dass wir dann auch wirklich mit Ballgewinn rauslaufen, weil der Ball dann doch noch durchrutscht. Wir gehen am Ende vier zu 15 Paraden aus dem Spiel und dann ist es einfach schwer in dieser Leistungsdichte. Hier herrscht. Am Ende müssen wir froh sein, dass wir überhaupt einen Punkt mitnehmen.“

Frank Carstens war nach diesem Spielverlauf zufrieden mit dem Punkt. „Wir waren zu Beginn mit der Torwartleistung nicht ganz so zufrieden. Dann kriegen wir die Torwartleistung und kriegen die Abpraller nicht und das ist für mich ein Symbol, wie dieses Spiel hier heute gelaufen ist. Leistungen tauchten in allen Elementen auf und dann haben wir sie uns ein bisschen kaputt gemacht. Wir konnten nicht wirklich davon profitieren, sowohl im Gegenstoß, wenn wir den Ball gewonnen haben, als auch in der Verteidigung. In der ersten Halbzeit waren noch zwei, drei glasklare Chancen dabei, die wir nicht genutzt haben. Das hat das ganze Spiel mental extrem schwer gemacht für uns. Da kann ich meiner Mannschaft nur ein Riesenkompliment machen, wie sie 60 Minuten Ihren Weg weitergegangen ist und am Ende dann auch mit diesem Punkt belohnt worden ist. Wir nehmen noch einen Punkt mit, weil wir eine sehr gute Moral gezeigt haben.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic; Meyer Ejlersen (1), Ole Klimpke, Kuzmanovski, Becher (2), Fredriksen (1), Pliuto (1), Wagner (1), Mellegard, Zelenovic (1), Rubin (12), Fuchs, Novak (10/4), Cavor (2).

TVB Stuttgart: Heinevetter, Vujovic; Max Häfner (4), Serrano Villalobos (3), Fernandez Jimenez (5/2), Hanusz (2), Lönn (3), Röthlisberger, Nicolaus (1), Forstbauer, Laube (4), Zieker (1), Pfattheicher, Maric, Kai Häfner (7).

Schiedsrichter: Hannes/Hannes (Leverkusen/Köln). – Zuschauer: 3115. – Zeitstrafen: 2:4 Min. – Siebenmeter: 2/2:4/4.

Letztes Spiel

02.06.2024 - 16:30 Uhr
GETEC Arena

37 : 34

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