Internationaler Austausch in Wetzlar
Die HSG Wetzlar war vom 10. bis 12. Februar Gastgeber eines internationalen Study Visits im Rahmen des europäischen Projekts „EuroHaCa“ (European Handball Caravan). Gemeinsam mit dem Serbian Handball Council und Le HAC Handball aus dem nordfranzösischen Le Havre wurde eine Partnerschaft im Kinder- und Jugendhandball initiiert. Gefördert wird das Projekt durch Erasmus+.
Ziel ist es, Strukturen und Ausbildungsphilosophien der beteiligten Länder zu analysieren und voneinander zu lernen: Welche Rahmenbedingungen prägen die Nachwuchsarbeit? Welche sportlichen, pädagogischen und gesellschaftlichen Ziele stehen im Fokus? Diese Fragen bestimmten den Austausch in Mittelhessen.
Zum Auftakt gab Pascal Lang (HSG-Geschäftsstelle, Jugendtrainer Mittelhessen Youngstars) einen Überblick über die Regularien im deutschen Kinderhandball. Auf Grundlage der Vorgaben des Deutschen Handballbunds betonte er die ganzheitliche Entwicklung statt kurzfristiger Erfolgserlebnisse. Motorische Grundlagen, Spielfreude, Fairness und langfristige Leistungsentwicklung bilden die Basis.
Ein Schwerpunkt lag auf der Rolle der Schule. Ex-Profi Volker Michel, als Lehrer der Goetheschule verantwortlich für Handball an Schulen in Mittelhessen, zeigte in einem praxisnahen Training, wie Handball altersgerecht in den Unterricht integriert werden kann. Koordination, spielerische Wettkampfformen und soziale Kompetenzen standen im Mittelpunkt. Zudem erläuterte er die erfolgreiche Kooperation zwischen Schulen, Vereinen und Verband sowie die Bedeutung verbindlicher Strukturen und Netzwerke für nachhaltige Talententwicklung.
Einen vertieften Einblick in die vereinsinterne Nachwuchsarbeit gab Matthias Wendlandt. Der langjährige Jugendtrainer und ehemalige Jugendkoordinator der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen präsentierte die Ausbildungsphilosophie der Mittelhessen Youngsters mit Fokus auf langfristige Entwicklung. Altersgerechte Trainingsinhalte, technische und taktische Schwerpunkte sowie Persönlichkeitsentwicklung – Eigenverantwortung, Disziplin, Teamgeist und Resilienz – stehen dabei im Zentrum. In einer D-Jugend-Einheit demonstrierte er die methodische Verbindung von koordinativen Grundlagen und spielnahen Entscheidungsprozessen.
Ein weiterer Höhepunkt war der Themenblock „Share & Play“. Carlos Prieto, ehemaliger spanischer Nationalspieler und Initiator des Projekts, stellte das Inklusionskonzept vor. Es richtet sich insbesondere an Kinder und Jugendliche mit erschwertem Zugang zum Sport – unabhängig von Behinderung. Ziel ist es, soziale Barrieren abzubauen und Teilhabe zu ermöglichen. In der Praxis wurde deutlich, wie Trainingsformen unterschiedliche Leistungsstände berücksichtigen und von klaren Werten wie Respekt und Gemeinschaft getragen werden.
Den sportlichen Abschluss bildete der Besuch des Bundesliga-Heimspiels der HSG Wetzlar gegen die Füchse Berlin. Hier wurde die Verbindung zwischen professionellem Leistungssport und systematischer Nachwuchsarbeit erlebbar.
Bereits am Ankunftstag fand zudem ein Austausch mit der Stadt Wetzlar statt. In einem Gespräch mit Sportamtsleiter Wendelin Müller wurden kommunale Perspektiven der Sportförderung und die gesellschaftliche Bedeutung des Sports diskutiert. Auch der ehemalige Trainer der HSG Wetzlar, Momir Ilic, nahm an der Gesprächsrunde teil. Genauso, wie der aus Langgöns stammende ehemalige DHB-Chefbundestrainer Nachwuchs und aktuelle U17-Bundestrainer Jochen Beppler.
Der Study Visit markiert einen wichtigen Meilenstein im Projekt „EuroHaCa“. Der offene fachliche Austausch über Schulkooperationen, Trainingsphilosophien, Talentförderung und soziale Verantwortung machte unterschiedliche nationale Ansätze sichtbar und zeigte zugleich gemeinsame Werte. Der Blick über Landesgrenzen hinweg schafft neue Impulse und soll langfristig die Qualität der europäischen Nachwuchsarbeit stärken.
















