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„Der nächste Schritt“

Jana Lieber über ihren Wechsel zum DFB, die Wortwahl auf Social Media und die Chronik zum Jubiläum

Bild: Oliver Vogler

Abschluss. Abschalten. Anfangen. Bei Jana Lieber geht alles seinen geregelten Gang. Erst Vollgas als Pressesprecherin des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar. Dann einige Zeilen des Abschieds an die ihr verbundenen Journalisten. Und schließlich zusammen mit einer Freundin vier Wochen Urlaub in Südostasien, genauer gesagt in Vietnam. Ho-Chi Minh-City statt Dutenhofen. Dong statt Euro. Mekongdelta statt Lahnufer. Und vor allem: Pho Bo, eine scharfe, heiße Nudelsuppe mit Rindfleisch, statt Fast Food aus dem Forum. Ehe dann am 1. April eine neue, spannende Aufgabe auf die 26-Jährige wartet.

Jana, Sie werden die HSG Wetzlar verlassen. Weihen Sie uns bitte ein, was Sie künftig beruflich machen werden …

Ich wechsele zum Deutschen Fußball-Bund nach Frankfurt und soll dort in der Abteilung Medienrechte mithelfen, die Vermarktung der Frauen-Bundesliga medial als auch über Social Media voranzutreiben.

Frauenfußball statt Männerhandball: Worin liegt der Reiz?

Der Reiz liegt in der Sportart begründet. Ich liebe Fußball, ich spiele Fußball schon von klein auf, aktuell in der Innenverteidigung des Kreisoberligisten Blau-Weiß Gießen. Der Frauenfußball erfreut sich in Deutschland, gerade nach Platz zwei bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr in England, immer größerer Beliebtheit. Er erzeugt Nähe, er hat beste Sympathiewerte.

Sie sprechen gar nicht über die Bezahlung …

Ganz ehrlich: Natürlich verdiene ich beim DFB ein wenig mehr als bei der HSG, das war aber nicht der Grund meines Wechsels. Ein Unternehmen mit 600 Mitarbeitern bietet mir ganz andere Perspektiven als eine Geschäftsstelle, auf der wir zu fünft waren. Ich kann mich weiterentwickeln, ich werde mit viel Neuem konfrontiert, das reizt mich. Für mich ist es eben so, wie sich auch viele Spieler, die zur HSG Wetzlar gekommen sind, gerne zitieren lassen: Es ist für mich schlicht und ergreifend der nächste Schritt.

Fahren Sie künftig jeden Tag von Gießen aus nach Frankfurt?

Das muss sich alles einspielen. Grundsätzlich ist die Stelle mit 50 Prozent Homeoffice ausgelegt. Ich werde aber in der Anfangszeit sicher öfter in die Zentrale fahren.

Sie zeichneten fast fünf Jahre für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der HSG Wetzlar verantwortlich. Wie kam Ihr Kontakt zu den Grün-Weißen zustande?

Über ein Praktikum. Danach wurde ich Werksstudentin und konnte nebenbei meinen Master in Ansbach machen, vor eineinhalb Jahren bin ich dann in Vollzeit bei der HSG Wetzlar eingestiegen.

Was konnten Sie in dieser Zeit alles bewegen?

Ich denke, recht viel, denn meine Stelle gab es so bei der HSG vorher ja nicht. In den Social-Media-Bereich habe ich eine gewisse Regelmäßigkeit hineingebracht, die Zahl der Nutzer ist groß. Und die Homepage habe ich verändert, sie hat nun eine völlig neue Optik mit neuen Inhalten. Journalisten konnten sich auf mich verlassen, für die Spieler war ich wie eine Verknüpfung von der Geschäftsstelle zur Mannschaft. Ich habe versucht, es möglichst allen recht zu machen, im Club und außerhalb des Clubs. Und nicht zuletzt habe ich mit drei Journalisten (Dem Schreiber dieser Zeilen, Albert Mehl und Uli Monz, Anm. d. Red.) die Chronik zum 25-jährigen Bundesliga-Jubiläum machen dürfen. Das war ein echter Meilenstein, um den uns andere Vereine sicher ein wenig beneidet haben.

Und was hätten Sie gerne umgesetzt, konnten es aber nicht?

An der Uni habe ich viel Zeit mit Videos verbracht. Das, was ich dort mitnehmen konnte, war bei der HSG aber nicht so einfach umzusetzen, denn Video-Journalismus kostet Zeit. Im Alltagsgeschäft hatte ich die jedoch leider nicht und habe dann teilweise andere Prioritäten gesetzt.

War Ihr Job journalistisch so unabhängig, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Eigentlich schon, ich denke, mein Handwerk ist dem in den Redaktionen ähnlich gewesen. Natürlich habe ich Spielberichte teilweise mit der grün-weißen Brille geschrieben. Ich habe sowohl Lob aber auch Kritik am Team geübt, wenn es wichtig war, nicht aber an Einzelnen.

Sie haben Social Media angesprochen. Waren Sie dort auch bisweilen Kritik ausgesetzt?

Ich persönlich nicht, aber die Spieler natürlich. Ich muss klar sagen, dass es mich nervt, wie sich Menschen online äußern. Ich habe mich oft gefragt, ob sie das, was sie dort vom Stapel lassen, den Jungs auch so ins Gesicht sagen würden. Wahrscheinlich nicht. Kritik ist gut und wichtig, die Wortwahl auf Social Media war aber oft schlimm. So müssen sich Spieler und Verantwortliche nicht titulieren lassen.

An welchen Moment, an welches Ereignis denken Sie während Ihrer Tätigkeit bei der HSG gerne zurück?

Natürlich fallen mir spontan große Siege wie der gegen den THW Kiel ein. Fasziniert hat mich aber auch unser Trainingslager im Schwarzwald, in dem ich sehr viele Inhalte vorproduziert habe. Generell: Gewinnt die Mannschaft, lässt es sich die Woche danach auf der Geschäftsstelle einfach besser aushalten.

Wie hat die Geschäftsstelle, wie hat die Mannschaft auf Ihre Kündigung reagiert?

Alle haben verständnisvoll reagiert, weil sie wussten, dass ich von Hause aus eigentlich Fußballerin bin. Daraus habe ich auch nie einen Hehl gemacht. Insgesamt waren wir auf der Geschäftsstelle ein Super-Team. Wir haben auch privat viel zusammen unternommen, ich werde sie vermissen.

Das Interview führte Alexander Fischer.

ZUR PERSON

Jana Lieber, geboren in Lich, studierte Ressortjournalismus mit dem Schwerpunkt Sport sowie Public Relations und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Ansbach. Durch ein Praktikum beim VfL Wolfsburg im Jahre 2017 sammelte sie erste Erfahrungen im Profisport, bevor sie bei der HSG Wetzlar im Sommer 2019 mit einem Praktikum begann, anschließend erst als Werkstudentin arbeitete und dann die Kommunikation übernahm. Die 26-Jährige lebt im Gießener Stadtteil Wieseck, spielt seit Kindertagen Fußball und nutzt ihre freie Zeit für das Reisen in ferne Länder.

Nächstes Spiel

18.04.2024 - 19:00 Uhr
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