Zum Hauptinhalt springen

Punktgewinn mit bitterem Beigeschmack

HSG Wetzlar und ThSV Eisenach trennen sich nach dramatischer Schlussphase 31:31.

Foto: Jenny Roeczey

Die HSG Wetzlar hat den ersten Punkt der neuen Saison in der OPEL Handball-Bundesliga eingefahren. Gegen den ThSV Eisenach trennten sich die Grün-Weißen nach einer packenden und bis zur letzten Sekunde umkämpften Partie mit 31:31 (15:12). Dabei hatte die Mannschaft von Trainer Rúnar Sigtryggsson nach einer starken Schlussphase sogar den Sieg vor Augen. Dass dieser am Ende nicht zustande kam, sorgte nach dem Schlusspfiff für reichlich Gesprächsstoff: Ein vermeintlicher Wetzlarer Siegtreffer in den letzten Sekunden wurde aufgrund passiven Spiels zurückgepfiffen. Die HSG kündigte nach Spielende Einspruch gegen die Spielwertung an.

Der Spielverlauf

Von Beginn an entwickelte sich die erwartet intensive und ausgeglichene Begegnung. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, das Spiel ging hin und her und zunächst konnte sich keines der beiden Teams entscheidend absetzen. Nach zehn Minuten stand es folgerichtig 4:4.

Beim 8:6 in der 15. Minute gelang es der HSG erstmals, sich einen Zwei-Tore-Vorsprung zu erspielen. Doch Eisenach blieb dran und stellte in der 21. Minute beim 10:10 wieder auf Gleichstand. Erst in der Schlussphase des ersten Durchgangs gelang es den Grün-Weißen, sich etwas Luft zu verschaffen.

Mit einem 5:2-Lauf in den letzten neun Minuten vor der Pause setzte sich Wetzlar auf 15:12 ab. Dabei konnte sich die HSG auf einen starken Bart Ravensbergen zwischen den Pfosten verlassen, der in dieser Phase mit wichtigen Paraden zur Stelle war. Im Angriff führte Paul Kompenhans klug Regie und verdiente sich ein Sonderlob von Sport-Geschäftsführer Michael Allendorf: „Am dritten Spieltag unter einem solchen Druck in seiner ersten Erstligasaison eine so engagierte Leistung aufs Parkett zu bringen, ist bemerkenswert. Natürlich macht er noch Fehler, aber der Junge spielt mit Mut – und das hat er heute wirklich gut gemacht.“ Der herausragende Akteur der ersten 30 Minuten war jedoch Niklas Theiß: Der Linkshänder verwandelte alle seine sechs Würfe und ging mit einer makellosen Quote in die Kabine.

Eisenach dreht die Partie

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild allerdings schnell. Während der HSG im ersten Durchgang vieles gelungen war, taten sich die Gastgeber nun im Angriff zunehmend schwer. Eisenach nutzte die Wetzlarer Probleme konsequent und hatte den Drei-Tore-Rückstand bereits nach fünf Minuten aufgeholt. Beim 16:16 in der 35. Minute war die Partie wieder völlig offen.

In der 42. Minute gingen die Gäste beim 19:18 erstmals seit längerer Zeit wieder in Führung. Eisenach wirkte nun etwas griffiger und fand im Angriff häufiger gute Lösungen. Insbesondere Felix Aellen übernahm Verantwortung. Der Schweizer traf in der 53. Minute zum 27:25 für die Gäste und brachte die Hausherren damit zunehmend unter Druck.

Doch Wetzlar ließ sich nicht abschütteln. Gut fünf Minuten vor dem Ende lag die HSG mit 27:29 zurück. Trainer Rúnar Sigtryggsson reagierte und stellte seine Defensive auf eine 5:1-Deckung um – eine Maßnahme, die Wirkung zeigte. Die Grün-Weißen provozierten Ballverluste der Gäste und kamen über ihr Tempospiel zurück in die Partie.

Exakt drei Minuten vor dem Ende war die Buderus Arena schließlich wieder voll da: Martí Soler vollendete einen Tempogegenstoß zum 31:30 und brachte die HSG erstmals seit langer Zeit wieder in Führung.

Was folgte, war ein echter Krimi am Montagabend. Eisenach antwortete und glich rund zwei Minuten vor dem Ende zum 31:31 aus. Die HSG vergab anschließend ihre nächste Möglichkeit, verteidigte auf der Gegenseite aber erfolgreich und kam rund 40 Sekunden vor Schluss noch einmal in Ballbesitz.

Dann folgte die Szene, die auch nach dem Schlusspfiff für reichlich Diskussionen sorgte.

Die Schiedsrichter zeigten früh das Vorwarnzeichen für passives Spiel an. Nach Ansicht der HSG landete der vierte und damit noch erlaubte Pass bei Nikolaj Læsø, der frei zum Abschluss kam und den Ball im Eisenacher Tor unterbrachte. Die Unparteiischen bewerteten das Zuspiel allerdings bereits als fünften Pass, pfiffen die Aktion zurück und erkannten den vermeintlichen Wetzlarer Siegtreffer nicht an.

Eisenach bekam noch einmal den Ball und nahm eine Auszeit. Sieben Sekunden blieben den Gästen für den letzten Angriff. Doch die HSG-Defensive hielt stand – das 31:31 war besiegelt.

Nach Spielschluss kündigte die HSG Wetzlar Einspruch gegen die Spielwertung an. Aus Sicht der Grün-Weißen könnte in der entscheidenden Szene ein spielentscheidender Regelverstoß vorgelegen haben. „Wir sind der Auffassung, dass der letzte Pass zu Nikolaj der vierte Pass war und die Aktion deshalb nicht wegen passiven Spiels hätte abgepfiffen werden dürfen. Daher haben wir auch Einspruch angekündigt. Was daraus wird und ob dieser Erfolg hat, werden wir sehen. Wir sind aber der Meinung, dass wir die Pflicht haben, das nachzuverfolgen – auch den Jungs gegenüber. Ich finde, dass sie ein gutes Spiel gemacht, bis zum Ende gekämpft und sich gegen die Niederlage gestemmt haben“, erläuterte Michael Allendorf.

So blieb am Ende ein Punkt, der sportlich durchaus wertvoll ist, sich angesichts der dramatischen Schlusssekunden aber zunächst nur schwer wie ein gewonnener anfühlen dürfte.

Das sagt Trainer Rúnar Sigtryggsson

„Es war das erwartet intensive Spiel.  Kurz vor der Halbzeit haben wir gute Lösungen gefunden. Im zweiten Durchgang war Eisenach vor allem zu Beginn besser als wir. Das lag auch ein bisschen daran, wie wir aus der Kabine gekommen sind. Wir haben gespielt, als würden wir hinten liegen – so hatte ich zumindest das Gefühl. Wir haben nicht mehr so weitergespielt wie zuvor und im Angriff Entscheidungen getroffen, die vielleicht nicht immer die richtigen waren. Eisenach hatte zu diesem Zeitpunkt das Spiel ein Stück weit unter Kontrolle. Am Ende wurde es dann dieses knappe Spiel, das man eigentlich auch so erwarten konnte.“

Der Ausblick

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt der HSG Wetzlar nicht. Bereits am kommenden Sonntag wartet mit dem Auswärtsspiel beim SC Magdeburg die nächste anspruchsvolle Aufgabe in der Handball-Bundesliga.

Das nächste Heimspiel steigt am Sonntag, 20. September, wenn der VfL Gummersbach in der Buderus Arena zu Gast ist. Für die Partie sind nur noch Stehplatzkarten erhältlich. Die gibt es online unter tickets.hsg-wetzlar.de sowie auf der Geschäftsstelle der HSG Wetzlar in der Buderus Arena (Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr).

Das Stenogramm

Wetzlar: Ravensbergen (2 Tore/11 Paraden), Bartucz (ab 55. und bei zwei Siebenmetern) – Kirschner (2/2), Mappes (1), Theiß (7), Øverby (3), Piroch (1), Pehlivan (3), Akakpo, Schoch, Soler (5), Læsø (4), Löwen, Kompenhans (3), Nafea (n.e.).
Eisenach: Spikic (ab 20./8 Paraden), Gruppe – Joelsson (4), Scholtes, Capric (n.e.), Attenhofer (2), Walz (4), Moré (6), Ende, Aellen (9/4), Solak (1), Antonijevic (1), Seitz (4), Kurch, Montebovi, Leu.  
Schiedsrichter: Leon Bärmann/Nico Bärmann (Landau/Lampertheim) – Zuschauer: 3413 – Zeitstrafen: 6:10 Minuten.

Letztes Spiel

07.09.2026 - 19:00 Uhr
Buderus Arena Wetzlar

31 : 31

Premium-Sponsoren

Hauptsponsor

Premium-Sponsoren


Co-Sponsoren