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„Uns haben 99 Pfennig zur Mark gefehlt“

HSG Wetzlar unterliegt im Heimspiel gegen den HC Erlangen mit 26:31 (12:18) und verpasst die Chance, sich weiter aus dem Tabellenkeller freizuschwimmen

Bild: Jenniver Roeczey

Es ist wie verhext. Auch im fünften Heimspiel der Saison schaffte es die HSG Wetzlar in der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga nicht, den zweiten Sieg in eigener Halle einzufahren. Der HC Erlangen führte über die gesamte Spielzeit und verabschiedete sich am Ende mit einem 31:26 (18:12)-Erfolg aus der Buderus Arena.

Mit dem Sieg in Balingen im Rücken erhofften sich die 2890 Zuschauer in der Buderus Arena einen anderen Auftritt ihrer Mannschaft. Die wollte an die zweite Halbzeit des Auswärtsspiels anknüpfen, scheiterte aber von Beginn an auf ganzer Linie.

Erlangen stellte eine offensiv ausgerichtete 6:0-Abwehr, die mit den Hacken nicht an der sonst üblichen Sechs-Meter-Linie den Gegner empfing, sondern bereits ab neun Metern das Spiel der Wetzlarer zerstörte. HCE-Coach Hartmut Mayerhoffer schickte seine Mannschaft früh auf die Rückraumspieler raus, um Fehler zu provozieren, Passwege zuzustellen und die HSG mit Stockfouls zu entnerven. Dem 4:0 nach sechs Minuten, folgte das 6:1, ehe Wetzlar halbwegs den Weg ins Spiel fand.

Schnell wurde klar, dass Gäste-Torhüter Bertram Obling nicht zu Scherzen aufgelegt war, sondern fest entschlossen, dem Gegner den Zahn zu ziehen. Vor allem aus dem Rückraum war der Däne kaum zu überwinden. Carstens wechselte nach acht Minuten Lenny Rubin für Hendrik Wagner ein, der noch nicht so zündete wie am vergangenen Freitag. Und auch Anadin Suljakovic, der sich seinen Einsatz mit wichtigen Paraden in Balingen verdient hatte, brachte nur wenig zustande. Für ihn kam nach knapp 20 Minuten Till Klimpke.

Rubin sorgte für ein bisschen mehr Gefahr und mit seinen klugen Pässen im Überzahlspiel mit dafür, dass es nach 13 Minuten 5:6 stand. Die HSG schien endlich im Spiel angekommen zu sein, doch die unmittelbar darauffolgende Auszeit des HCE unterbrach den Wetzlarer Lauf jäh. Erlangen übernahm wieder das Kommando, legte auf 8:5 vor und erhöhte den Vorsprung bis zur Pause auf 18:12.

„Wir haben nicht zu dem Spiel gefunden, was wir uns vorstellen und wie wir Handballspiele insgesamt gestalten wollen“, erklärte Carstens. „Uns haben heute auf Deutsch gesagt 99 Pfennig zur Mark gefehlt.“

In der Statistik der technischen Fehler lag Wetzlar insgesamt mit 17:13 vorn, das Torhüterduell gewann Obling um Längen vor Suljakovic und Klimpke zusammen mit 15:8. Es war nur der Fehlerquote Erlangens zu verdanken, dass der Abstand zur Pause nicht noch höher war. „Da ist noch viel Luft nach oben“, schrieb ein Fan in seinem Profil. Ist das die Angst vor der eigenen Halle?

Die Wetzlarer Jungs legten nach der Pause los wie die Feuerwehr. Was auch immer Carstens ihnen in der Kabine gesagt haben mochte, es wirkte. Vor allem Rubin übernahm Verantwortung und traf zum 13:18 und 15:18. Mayerhoffer machte dem Treiben mit einer Auszeit schnell ein Ende, doch Rubin legte zum 16:18 nach. Es lag wieder Hoffnung in der Luft, die die Halle begehrlich einsog.

Eine Zeitstrafe gegen Rasmus Meyer Ejlersen beendete den Zauber so schnell wie er begonnen hatte. Carstens versuchte mit wechselnden Formationen das Bollwerk Erlangen zu knacken, doch weder im Sieben-gegen-Sechs, noch im Überzahlspiel wollte das überzeugend gelingen. Zu statisch, ohne Durchschlagskraft, zu viele Fehler. Ein Tag zum Vergessen. „Wir waren nicht bereit, die Zweikämpfe anzunehmen, sowohl offensiv als auch defensiv. Dann wird es schwierig. Da muss einfach auch in schwierigen Momenten ein bisschen mehr Herz, ein bisschen mehr Courage her, um solche Spiele für sich zu entscheiden oder zumindest sich gegen eine solche Entwicklung zu stemmen. Das habe ich heute vermisst“, sagte Carstens.

Der HCE hingegen glaubte an sich und die Chance zwei Punkte aus der Buderus Arena zu entführen. Er zog sein Spiel erbarmungslos durch und belohnte sich mit dem 31:26-Auswärtserfolg. „Ich bin sehr zufrieden und auch sehr glücklich über die zwei Punkte“, sagte Mayerhoffer. „Aber vor allem über das Auftreten unserer Mannschaft. Wir haben jetzt in den letzten Spielen gegen die Top Mannschaften gespielt und konnten dort keine Punkte einfahren. Entsprechend finde ich, dass wir dieser Drucksituation sehr gut standgehalten haben.“ Seine Mannschaft zeigte mehr Wucht, mehr Kraft, mehr Cleverness, hatte dazu den besseren Torhüter und mehr Zielwasser getrunken.

„Offensichtlich ist mir nicht gelungen, die Spieler so auf den Weg zu bringen, dass wir genau diesen Weg auch gehen können“, so Carstens. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie einen anderen erfolgreichen Weg gesehen, als mit offenem Visier und heißem Herzen solche Spiele anzugehen. Egal wo, egal wann, egal in welcher Situation. Und darüber werden wir morgen reden müssen, wie wir in einem solchen Spiel, wo es für uns natürlich um wichtige Punkte geht, auftreten. Es gilt bis zu unserem nächsten Heimspiel am Sonntag die Ursachen zu erforschen und diese Störung zu beseitigen.“

Stenogramm:

HSG Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic; Meyer Ejlersen (1), Ole Klimpke (2), Kuzmanovski, Becher (1), Fredriksen (1), Pliuto (1), Wagner (5), Mellegard (3), Zelenovic (1), Rubin (4), Fuchs, Novak (7/1), Cavor.

HC Erlangen: Obling, Ferlin; Heiny (3), Lonborg, Mävers (2/2), Firnhaber (6), Büdel (3), Bissel (4), Metzner (4), Svensson (1), Guardiola, Link, Jeppsson (1), Steinert, Olsson (5), Zechel (2).

Schiedsrichter: Standke/Heine (Ronnenberg/Wendeburg). – Zuschauer: 2890. – Zeitstrafen: 8:12 Min. – Siebenmeter: 3/1:2/2.

Letztes Spiel

17.05.2024 - 19:00 Uhr
Rothenbach-Halle

21 : 23

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