„Vieles, was ich vorher gedacht habe, sehe ich jetzt anders“
Mit guter Laune, voller Tatendrang und vielen Ideen ist Momir Ilic am vergangenen Donnerstag mit seiner Frau Maja und dem neunjährigen Sohn Tadej in Wetzlar angekommen. Für den Trainer des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar war das natürlich keine Reise ins Ungewisse, weil er Anfang Mai für fünf Wochen bereits als Chefcoach eingesprungen war und den Klub sowie das Leben in Mittelhessen gut kennengelernt hatte. Doch schon damals hatte er gesagt: „Das Projekt HSG Wetzlar beginnt erst ab Juli.“ Also ab jetzt.
In dieser Woche startet die Vorbereitung auf die neue Runde. Bei der Zusammensetzung der Mannschaft hatte Ilic, der im Januar einen Zwei-Jahres-Vertrag ab dieser Saison unterschrieben hatte, bereits Einfluss. Im Interview spricht der 43-Jährige über seine kaum vorhandene Sommerpause, die Erfahrungen, die er Ende der vergangenen Runde gesammelt hatte, und die Schwerpunkte der Vorbereitung.
Momir, herzlich Willkommen zurück in Wetzlar. Wie verlief Deine Sommerpause?
Momir Ilic: So eine richtige Sommerpause war das nicht für mich. Was aber auch nicht schlimm war. Ich hatte ja vorher fast ein Jahr lang Pause.
Woran lag es, dass es keine wirkliche Pause war?
Momir Ilic: Wir mussten wegen des Umzugs viel organisieren. Wir haben zwölf Jahre in Ungarn gelebt. Das dauert dann etwas länger, den Hausstand aufzulösen. Als alles erledigt war, sind wir noch gut zwei Wochen in meiner serbischen Heimat gewesen. Das war sehr schön. Nun starten wir so richtig in Wetzlar. Ich bin angereist mit vielen frischen Gedanken und freue mich sehr, auf das, was kommt.
Du hast sicherlich in den vergangenen Wochen detailliert noch einmal die letzten Wochen der vergangenen Saison analysiert. Welche Lehren hast Du gezogen?
Momir Ilic: Für mich war das erst einmal eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich weiß, dass der ein oder andere geurteilt hatte, dass es nicht sinnvoll war, für die letzten sechs Spiele einzuspringen. Ich sehe das anders. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass wir in der kurzen Zeit erfolgreicher gewesen wären, dass wir vor allem auch spielerisch mehr Fortschritte erzielt hätten. Aber die Situation am Ende einer Saison war schwierig. Trotzdem habe ich wertvolle Eindrücke für die Arbeit gesammelt, die jetzt beginnt. Etwa wie der Verein funktioniert, wie die Fans ticken, was es heißt, in der Bundesliga zu arbeiten, welches System in der Bundesliga funktioniert. Und hier muss ich sagen: Vieles, was ich vorher gedacht habe, sehe ich jetzt anders.
Nun startet die Vorbereitung auf die neue Saison. Wo setzt Du in den kommenden Wochen den Schwerpunkt?
Momir Ilic: Der Anfang unseres gemeinsamen Projekts ist jetzt. Das haben wir immer gesagt. Jetzt geht es richtig los. Wir müssen bedenken, dass wir einen großen Umbruch haben. Acht neue Spieler müssen integriert werden. Das ist schon eine große Zahl. Wie immer liegt zu Beginn der Vorbereitung der Schwerpunkt auf der Arbeit im physischen Bereich. Darauf legen wir viel Wert, weil eine gute Physis die Grundlage für einen schnelleren Handball ist. Den wollen wir zeigen. Aber natürlich arbeiten wir parallel dazu auch schon viel mit dem Ball, um das System, das ich aufbauen möchte, zu trainieren. Das braucht Zeit. Es liegt viel Arbeit vor uns. Aber genau darauf freue ich mich.
Auf was müssen sich die Spieler einstellen? Auf intensive Tage?
Momir Ilic: Ja, natürlich. Wir müssen und werden intensiv arbeiten. Aber ich erwarte von den Jungs auch den notwendigen Fokus für das, was wir machen. Es kann nicht sein, dass einer ins Training kommt und ist nicht voll bei der Sache. Dieser mentale Teil ist sehr wichtig für alles, was wir vorhaben. Hier verlange ich von den Jungs, dass sie bereit sind.










