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Zwischen Hoffnung und Herausforderung: HSG Wetzlar vor Saisonfinale gegen Magdeburg

Die Ausgangslage ist klar, die Aufgabe gewaltig: Mit einem Heimsieg gegen den Deutschen Meister könnte die HSG Wetzlar den Klassenerhalt aus eigener Kraft sichern. Unterstützung erhält das Team von 4.421 Fans in einer restlos ausverkauften Buderus Arena.

Foto: Emily Diehl

60 Minuten, die über eine ganze Saison entscheiden können. Wenn die HSG Wetzlar am Sonntagnachmittag (15 Uhr) den Deutschen Meister SC Magdeburg in der ausverkauften Buderus Arena empfängt, geht es um den Verbleib in der Handball-Bundesliga. Die Grün-Weißen gehen als Tabellen-16. in den letzten Spieltag, sind punktgleich mit Verfolger GWD Minden und haben den Klassenerhalt wegen des deutlich besseren Torverhältnisses weiterhin in eigener Hand. Die Aufgabe könnte allerdings kaum größer sein: Zu Gast ist die derzeit beste Mannschaft Deutschlands, ja vielleicht sogar weltweit.

Klar ist: Sollte Minden in Leipzig punkten und die HSG gegen Magdeburg verlieren, würden die Mittelhessen auf den letzten Metern wieder auf einen Abstiegsplatz abrutschen. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung – denn schon einmal gelang den Mittelhessen in einer nahezu identischen Konstellation gegen den SC Magdeburg ein kleines Handball-Wunder.

 Eine bittere Woche

Dass es überhaupt zu diesem Herzschlagfinale kommt, liegt an einem für die HSG Wetzlar äußerst unglücklich verlaufenen 33. Spieltag. Während Minden am Mittwochabend vor heimischer Kulisse einen etwas überraschenden Sieg gegen den THW Kiel feierte, musste sich die HSG Wetzlar nur einen Tag später beim HSV Hamburg denkbar knapp mit 32:33 geschlagen geben. Eine Niederlage, die schmerzte. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch, weil die Mannschaft von Trainer Rúnar Sigtryggsson über weite Strecken eine gute Leistung gezeigt hatte. Am Ende entschieden Kleinigkeiten, einzelne Situationen und auch das nötige Quäntchen Glück zugunsten der Gastgeber.

Viel Zeit, dieser Enttäuschung nachzutrauern, bleibt allerdings nicht. „Wir brauchen von allen am Sonntag die beste Leistung. Vom Team, vom Team ums Teams und von den Fans“, beschwört Trainer Rúnar Sigtryggsson den Zusammenhalt. Es gilt, die Köpfe schnell wieder freizubekommen und alle Kräfte auf das Saisonfinale zu bündeln. Die Mannschaft hat sich in Hamburg nicht aufgegeben, hat Charakter gezeigt und sich trotz der besonderen Drucksituation teuer verkauft. Genau diese Mentalität wird nun auch gegen den Deutschen Meister gefragt sein. „Das ist unser Finale“, sagt Sport-Geschäftsführer Michael Allendorf und ergänzt: „Niemand, der am Sonntag in der Arena ist, darf in Ehrfurcht erstarren, weil der Gegner der SC Magdeburg ist. Wir müssen an uns glauben, alles investieren, Leidenschaft und Biss zeigen und gemeinsam diese Herausforderung lösen.“

Die größte Herausforderung der Liga

Jeder weiß: Schwieriger könnte die Aufgabe kaum sein. Mit dem SC Magdeburg gastiert die aktuell stärkste Mannschaft Deutschlands in der Buderus Arena. Die Elbestädter stehen bereits seit einiger Zeit als Deutscher Meister fest und haben in der laufenden Bundesliga-Saison lediglich eine einzige Niederlage hinnehmen müssen. Am Mittwochabend untermauerten sie ihre Ausnahmestellung einmal mehr mit einem 38:35-Erfolg gegen den VfL Gummersbach. Auch international zählt die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert zur absoluten Weltspitze. Der Einzug in das Final Four der EHF Champions League ist der nächste Beleg für die außergewöhnliche Qualität des Kaders. Lediglich beim DHB-Pokal blieb der ganz große Erfolg aus, als der SCM beim Final Four zwei Niederlagen hinnehmen musste.

Ansonsten präsentiert sich Magdeburg seit Monaten in beeindruckender Konstanz. Und auch wenn in der kommenden Woche das Final Four der Champions League wartet, spricht wenig dafür, dass die Gäste in Wetzlar einen Gang zurückschalten werden. Für den Deutschen Meister geht es darum, im Rhythmus zu bleiben und mit einem guten Gefühl nach Köln zu reisen.

Ein Blick zurück: Als schon einmal ein Wunder gelang

Wer in diesen Tagen als Fan der HSG Wetzlar nach Hoffnung sucht, sollte einen Blick in die Historie werfen. Denn die aktuelle Situation erinnert in erstaunlicher Weise an die Saison 2006/07. Damals verlor die HSG Wetzlar am vorletzten Spieltag ebenfalls denkbar knapp mit einem Tor beim Wilhelmshavener HV und stand vor dem letzten Spieltag unter enormem Druck. Gegner in der ausverkauften Buderus Arena war ausgerechnet der SC Magdeburg. Parallel kämpfte der TuS N-Lübbecke um den Klassenerhalt und traf auf den Tabellenletzten Eintracht Hildesheim. Die Vorzeichen schienen eindeutig. Doch am 2. Juni 2007 schrieb die HSG eines der emotionalsten Kapitel ihrer Bundesligageschichte. Vor ausverkauftem Haus bezwangen die Grün-Weißen den SC Magdeburg mit 30:29 und sicherten sich in letzter Sekunde den Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse. Einer der Spieler auf dem Feld damals: Michael Allendorf. Heute, 19 Jahre später, trägt der frühere Linksaußen als Geschäftsführer Sport Verantwortung für den Verein  und erlebt nun eine Situation, die verblüffend viele Parallelen zu jenem historischen Nachmittag aufweist. "Ich werde der Mannschaft im Vorfeld von damals berichten. Ich werde ihr sagen, was möglich ist, wenn man an sich glaubt. Damals hat kaum jemand an uns geglaubt und wir haben es doch geschafft - weil alle alles an diesem einen Tag in die Waagschale geworfen haben", sagt Allendorf. 

Ob die Geschichte sich wiederholt, wird sich am Sonntag zeigen.

Gemeinsam für das Wunder

Fest steht: Die Voraussetzungen für einen außergewöhnlichen Handball-Nachmittag sind geschaffen. Die Buderus Arena ist seit Tagen restlos ausverkauft. 4421 Zuschauerinnen und Zuschauer werden ihre Mannschaft ein letztes Mal in dieser Saison unterstützen und alles dafür tun, die Halle in einen Hexenkessel zu verwandeln. Die Aufgabe ist gewaltig. Doch genau deshalb richtet sich der Blick bei der HSG nicht auf Rechenspiele oder Tabellenkonstellationen, sondern auf die eigenen 60 Minuten. „Wir blicken nur auf uns“, verdeutlicht Sigtryggsson. Die Mannschaft hat sich die Chance auf den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag erarbeitet. Nun gilt es, gemeinsam mit den Fans alles zu investieren.

Vielleicht braucht es gegen den Deutschen Meister eine außergewöhnliche Leistung. Vielleicht braucht es auch ein kleines Wunder. Michael Allendorf weiß das. "Wir werden alles dafür tun, dass dieses Wunder  am Sonntag möglich wird."

Letztes Spiel

07.06.2026 - 15:00 Uhr
Buderus Arena Wetzlar

30 : 31
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