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Nach Novaks Kempator war der Wetzlarer Zauber vorbei!

HSG Wetzlar verliert am Ende deutlich mit 23:38 beim designierten neuen Deutschen Meister THW Kiel - Grün-Weiße werfen zu viele "Fahrkarten" gegen starken Niklas Landin

Bild: Sascha Klahn

21 verworfene Bälle, elf davon in der ersten Halbzeit – einmal mehr sind die Handballer der HSG Wetzlar in einem Bundesliga-Spiel an der eigenen Abschlussqualität und dem gegnerischen Torhüter gescheitert. Beim Rekordmeister und designierten neuen Deutschen Meister THW Kiel setzte es für die Grün-Weißen eine deutliche 23:38-Pleite. Eine, auch in der Höhe verdiente Niederlage, da Wetzlar nur in den ersten 15 Minuten und bis zum Zwischenstand von 7:7 ein Gegner auf Augenhöhe war. Danach bekamen die über 10.000 Zuschauer in der Kieler Wunderino Arena einen Klassenunterschied und eine Wetzlarer Mannschaft zu sehen, die, wie leider allzu oft in dieser Saison, technische Unzulänglichkeiten und Fehlabschlüsse am Fließband ablieferte – und das am Geburtstag ihres (Interims-)Trainers Jasmin Camdzic.

Dabei waren die Mittelhessen gut ins Spiel gestartet. Die 6:0-Abwehr stand größtenteils stabil und im Angriff erspielten sich die Grün-Weißen klare Chancen, die zunächst souverän genutzt wurden. In der 4. Minuten traf Linksaußen Emil Mellegard zum 3:3-Ausgleich und fünf Minuten später erzielte Domen Novak von der gegenüberliegenden Seite das Tor des Tages. Ein Kempa-Anspiel von Magnus Fredriksen verwandelte der Slowene per Rückhandwurf zur 6:4-Führung für die Gäste, die in Kiel einmal mehr auf die verletzten Filip Kuzmanovski, Jovica Nikolic und Anadin Suljakovic verzichten mussten. Dazu erwischte Linkshänder Stefan Cavor erneut einen rabenschwarzen Tag, zum Ärger von Trainer Jasmin Camdzic, der den Montenegriner bereits nach dem Hessenderby für seine Leistung kritisiert hatte.

Das Kempator von Novak war für lange Zeit das letzte Highlight, dass wir Wetzlarer in der Wunderino Arena setzen konnte. Was folgte waren verlorene Zweikämpfe in Reihe und Würfe, die allesamt zur (leichten) Beute des dänischen Welthandallers Niklas Landin wurden, der sich mit einer starken Leistung von den Kieler Handballfans in Richtung Aalborg verabschiedete. Angetrieben von Landin (insgesamt 15 Paraden) legte Kiel, nach dem Ausgleichstreffer von Jonas Schelker zum 7:7 (15.), einen 7:0-Lauf hin. Der ebenfalls scheidende Yannik Fraatz (kehrt nach der Leihe zum Bergischen HC zurück) traf von rechts außen zum 14:7. Die Partie war längst entschieden. Wetzlar brachte kaum noch ein Bein auf den Parkettboden.

Bis zur Pause nutzte der THW die Unordnung bei den Gästen, um das Ergebnis auf 19:10 zu schrauben. Bis dahin hatten auch die Wetzlarer Keeper Till Klimpke und Leonard Grazioli keine gute Figur abgegeben und sich drei Würfe sogar unglücklich selbst ins Netz befördert, was symptomatisch für den Gesamtauftritt des Tabellensechszehnten war.

Nach einer deutlichen Halbzeitansprache von Coach Jasmin Camdzic hofften die an die Förde mitgereisten HSG-Anhänger auf Besserung nach der Pause. Doch die Hoffnungen schwand schnell. Nur Till Klimpke steigerte sich und hielt gleich die ersten drei Würfe der Kieler Angreifer.

Doch seine Vorderleute übertrafen sich nun in Unzulänglichkeiten. Allen voran Stefan Cavor, der bereits nach drei Minuten die „Quittung für seine schwache Leistung“ von seinem Trainer bekam und bis zum Spielende auf der Bank Platz nehmen musste. Kiel hielt das Tempo weiter hoch, mit dem Ziel die gute Tordifferenz im Meisterschaftskampf mit den SC Magdeburg zu verbessern. Bis zur 47. Minute schraubte der Rekordmeister das Ergebnis auf 30:17. Der nach Kolstad (Norwegen) abwandernde Sander Sagosen hatte getroffen.

Jasmin Camdzic brachte nun die zweite Wetzlarer Garde. Zum einen aufgrund der Leistung ihrer „Vorgänger“ auf der Platte, zum anderen auch mit Blick gen Sonntag, wenn Wetzlar zuhause den SC Magdeburg empfängt. Ändern sollte sich wenig. Kiel baute den Vorsprung sukzessive und konsequent aus. Die Gäste hielten das Ergebnis noch in Grenzen, weil den Grün-Weißen beim „7 gegen 6“-Überzahlspiel der Zebras einige Treffer ins leere THW-Tor gelangen.

Am Ende war die einseitige Partie ein einziger Jubellauf der Norddeutschen, die von ihren Fans bereits wie die kommenden deutschen Meister gefeiert wurden, auch wenn der Titel rechnerisch noch nicht feststeht. Die Gäste aus Wetzlar ließen ihre Anhänger nach der 23:38-Demontage einigermaßen ratlos zurück.

„Wir wussten, dass Kiel heute was zu Feiern hat und mit einhundert Prozent in die Partie gehen werden. Dementsprechend muss ich heute kritisieren, dass wir fast über die gesamte Spielzeit körperlich nicht so präsent waren, um den Kampf hier anzunehmen“, so HSG-Trainer Jasmin Camdzic. „Es war nur in der Anfangsphase gut, was wir hier gezeigt haben. Nach dem 7:7 kam unsere alte Problematik, dass wir einfach viel zu viele Bälle verschießen und so den Gegner stark machen. Wir haben eigentlich oft clever gespielt, aber einfach nicht die Tore gemacht und dann schnelle Gegentore kassiert. In der zweiten Halbzeit hatten wir Glück, dass die Kieler auch einige Fehler gemacht haben. Aber vor allem unsere vielen Ballverluste in der zweiten Welle haben uns sehr weh getan und dazu geführt, dass wir kein besseres Ergebnis erzielen konnten. Insgesamt haben wir uns hier nicht gut präsentiert.“

Stenogramm:

THW Kiel: N. Landin, Mirkva; Duvnjak 2, Sagosen 7, Reinkind 9, M. Landin 5/1, Overby 2, Wiencek 2, Ekberg 2, Pabst, Fraatz 2, Dahmke, Zarabec 1, Wallinius, Bilyk 5, Pekeler 1.

HSG Wetzlar: T. Klimpke, Grazioli; Nyfjäll 3, Schmidt, O. Klimpke 2, Becher 2/2, Weissgerber 1, Schelker 1, Fredriksen 1, Pliuto, Wagner 3, Mellegard 4, Rubin 3, Novak 2, Cavor.

Schiedsrichter: Darnel Jansen/Lucas Hellbusch – Zuschauer: 10.250.

Letztes Spiel

17.05.2024 - 19:00 Uhr
Rothenbach-Halle

21 : 23

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